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19. Geschmack und Geruch
In Kürze
Geschmack
Als die 5 Grundqualitäten des Geschmacks gelten:
- süß,
- sauer,
- bitter,
- salzig und
- umami.
Als Nebenqualitäten des Geschmacks gelten:
- alkalisch (oder seifig) und
- metallisch.
Die Geschmacksqualitäten
- sind auf der Zungenoberfläche ohne eindeutige Topographie angeordnet;
- haben Wahrnehmungsschwellen, die besonders für bittere und saure Stoffe sehr niedrig sind;
- zeigen eine deutliche Adaptation.
Als Hauptaufgaben des Geschmacksinns gelten:
- Prüfung der Nahrung auf Verträglichkeit, bei besonders hoher Empfindlichkeit für (giftige) Bitterstoffe;
- antizipatorische und reflektorische Anregung und Steuerung der Sekretfreisetzung durch die Verdauungsdrüsen;
- seine psychophysiologische Rolle als primärer positiver Verstärker oder als primärer Bestrafungsreiz: Die Reaktionsmuster auf Geschmacksreize sind teils angeboren, teils erworben. Geschmacksreize gelangen direkt in positive oder negative Verstärkerzonen des Gehirns und stellen daher besonders wirksame Reize für dauerhaftes instrumentelles Lernen dar.
Die Schmeckzellen
- sind in den Geschmacksknospen der Geschmackspapillen (Pilz-, Wall- und Blätterpapillen) wie Apfelsinenscheiben angeordnet;
- sind sekundäre Sinneszellen, die von afferenten Nervenfasern des VII. und IX. Hirnnerven innerviert werden;
- ihre afferenten Nervenfasern sind für mehrere, oft alle Geschmacksqualitäten empfindlich;
- verschlüsseln die Information über die Geschmacksqualität im afferenten Impulsmuster, das daher auch als Geschmacksprofil bezeichnet wird.
Die Geschmacksbahn
- führt über den Tractus solitarius und den Thalamus überwiegend ipsilateral zur primär sensorischen Hirnrinde und zur Inselregion;
- hat Kollateralen, die zum limbischen System und zum Hypothalamus gehen.
Geruch
Düfte
- werden in 7 typische Duftklassen eingeteilt;
- sind meist Duftgemische, in denen es charakteristische Leitdüfte gibt;
- können zu mehreren Tausenden unterschieden, aber oft nicht benannt werden;
- werden bei sehr geringer Konzentration zunächst nur wahrgenommen und erst bei höherer Konzentration erkannt;
- haben eine sehr ausgeprägte Adaptation.
Als Hauptaufgaben des Geruchssinns gelten
- seine Rolle als Duftabzeichen, Duftmarken, Eigen- und Familiengeruch etc. im Bereich der sozialen Beziehungen,
- seine Rolle bei der Steuerung der Fortpflanzung,
- seine ausgeprägte angeborene und erlernte Hedonik und
- seine Schutzfunktion gegen aversive Geruchsreize.
Die Riechzellen
- sind primäre Sinneszellen, die auf das Riechepithel der Nase begrenzt sind;
- haben zentrale Axone, die als Fila olfactoria zum Bulbus olfactorius ziehen;
- sind spontan aktiv;
- haben Transduktionsmechanismen, die über sekundäre Botenstoffe laufen und im Endeffekt die Spontanfrequenz erhöhen;
- haben je nach ihrem Rezeptorbesatz eine abgestufte Selektivität.
Die Verarbeitung der Geruchssignale
- beginnt im Bulbus olfactorius, wo sie durch starke Konvergenz, ausgeprägte Hemmprozesse und eine deutliche efferente Kontrolle gekennzeichnet ist;
- setzt sich in den verschiedenen Arealen des Riechhirns (Tuberculum olfactorium, Area praepiriformis, Regio entorhinalis) fort, die alle zum dreischichtigen Allokortex gehören;
- schließt auch die Weiterleitung in den Thalamus und den orbitofrontalen Neokortex ein;
- findet auch im limbischen System, im Hypothalamus und in der Formatio reticularis statt.