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18. Hören und Gleichgewicht
In Kürze
Das OhrDas Ohr nimmt periodische, longitudinale Druckschwankungen der Luft im Frequenzbereich von 16-20.000 Hz als Schall war.
- Schalldruckwellen breiten sich mit einer Geschwindigkeit von 340 m/s wellenförmig aus.
- Nur Schalldruckwellen zwischen 20 Hz und 16.000 Hz werden gehört. Je höher die Schallwellenfrequenz, desto höher der Ton. Infraschall (<20 Hz) und Ultraschall (>16.000 Hz) sind unhörbar.
- Die Intensität des Schalldrucks wird als Schalldruckpegel in Dezibel (dB SPL) angegeben.
Psychophysik (Psychoakustik) des Hörens
Für die Psychophysik (Psychoakustik) des Hörens gilt:
- Als Hörschwelle bezeichnet man den für eine Schallwahrnehmung notwendigen Minimalschalldruck. Die Hörschwelle ist stark frequenzabhängig, sie ist am niedrigsten zwischen 2000-5000 Hz.
- Zunahmen des Schalldrucks über die Hörschwelle werden als zunehmende Lautstärke empfunden.
- Wird bei unverändertem Schalldruck die Tonhöhe geändert, ändert sich auch die subjektiv empfundene Lautstärke, da nicht nur die Hörschwelle, sondern auch die Lautstärke frequenzabhängig ist.
- Sollen alle Tonhöhen gleichlaut gehört werden, so muss der Schalldruck in Abhängigkeit von der Frequenz angepasst werden. Dadurch entstehen Kurven gleicher Lautstärkepegel (Isophone). Bei 1000 Hz stimmen Phonwerte und dB-SPL-Werte vereinbarungsgemäß überein.
- Beim Hören liegt die Intensitätsunterschiedsschwelle bei 1 dB oder weniger, die Frequenzunterschiedsschwelle bei 0,3%, die Mithörschwelle oberhalb der Ruhehörschwelle.
- Das Hören mit 2 Ohren dient der akustischen Raumorientierung und der Verbesserung der Hörbarkeit akustischer Signale in gestörter Umgebung.
Bau und Arbeitsweise des Ohres
Bei Bau und Arbeitsweise des Ohres ist zu beachten:
- Die Gehörknöchelchenkette des Mittelohrs dient als Impedanzwandler des Schalls beim Übergang von der Luft auf die Flüssigkeit des Innenohrs.
- Im Corti-Organ kommt es dabei zu tonotopisch angeordneten Wanderwellen. Hohe Frequenzen bilden sich steigbügelnah, tiefe Frequenzen helicotremanah ab.
- Die Wanderwellen erregen frequenzselektiv die äußeren Haarzellen und bringen sie zur Kontraktion.
- Die Kontraktionen der äußeren Haarzellen versteilern lokal die Wanderwellen und führen zur Erregung der korrespondierenden inneren Haarzellen.
- Die inneren Haarzellen geben ihre Erregung synaptisch an die afferenten Nervenfasern des N. acusticus weiter. In diesen ist dann das Schallereignis durch die Entladungsrate und die Zeitdauer der Aktivierung verschlüsselt.
Hörbahnen
Die Hörbahnen führen von jedem Ohr über mindestens 5-6 synaptische Umschaltungen zu den auditorischen Kortexgebieten beider Hirnhälften.
- Wichtige Stationen sind Nucl. cochlearis, Olivenkerne, lateraler Schleifenkern und Corpus geniculatum mediale.
- Das zentrale auditorische System führt eine Musteranalyse des Schallsignals durch. Dabei werden verschiedene Charakteristika des Schallsignals analysiert. So werden in zunehmendem Maße bedeutsame Komponenten von Schallreizen (z. B. arteigene Kommunikationslaute, Sprache) herausgearbeitet.
- Der primäre auditorische Kortex und die mit ihm verbundenen assoziativen Kortexareale sind für die Analyse der semantischen Bedeutung der Sprache zuständig.
Schwerhörigkeit
Schalleitungs- ebenso wie Schallempfindungsstörungen führen zur Schwerhörigkeit. Sie können diagnostisch relativ leicht voneinander abgegrenzt werden.
- Im Alter kommt es in der Regel durch Untergang von Haarzellen zu einer gewissen Schwerhörigkeit, Presbyakusis genannt.
- Der wichtigste klinische Hörtest ist die Schwellenaudiometrie.
Wahrnehmung der Stellung und Bewegung des Kopfes im Raum
Die Wahrnehmung der Stellung und Bewegung des Kopfes im Raum erfolgt über das Gleichgewichtsorgan.
- Im Gleichgewichtsorgan werden lineare Beschleunigungen (Translationsbeschleunigungen) durch die 4 Makulaorgane (je 2 Maculae sacculi et utriculi auf jeder Seite) erfasst.
- Drehbeschleunigungen (Rotationsbeschleunigungen) werden durch die je 3 senkrecht aufeinander stehenden Bogengänge beider häutiger Labyrinthe erfasst.
- Die Stellung des Körpers im Raum wird in Zusammenarbeit zwischen dem Gleichgewichtsorgan und der Tiefensensibilität ermittelt.
- Die statischen Labyrinthreflexe erhalten das Gleichgewicht beim ruhigen Stehen, Sitzen und Liegen.
- Die statokinetischen Reflexe treten während Bewegungen auf und stellen selbst Bewegungen dar (z. B. Liftreaktion und vestibulärer Nystagmus).
Gleichgewichtsorgan
Für die Arbeitsweise der peripheren und zentralen Anteile des Gleichgewichtsorgans gilt:
- Die Haarzellen der Maculae und der Bogengangsorgane haben eine Ruheaktivität, die durch Beschleunigungsreize bei Verbiegen der Zilien in Richtung auf das Kinozilium erhöht und in der Gegenrichtung reduziert wird.
- Infolge der Kalziteinlagerungen der Otolithenmembran wirkt die Erdbeschleunigung (Schwerkraft) lebenslänglich auf die Haarzellen der Maculae ein.
- Die Vestibulariskerne sind die erste synaptische Station der Afferenzen aus dem Vestibularorgan. In diese Kerne projizieren außerdem Afferenzen der Somatosensorik, insbesondere aus dem Halsbereich.
- Die Information aus den Vestibulariskernen dient der Gleichgewichtserhaltung beim Stehen und Gehen, der Steuerung von Augenbewegungen, der Feinabstimmung der Motorik im Kleinhirn und über kortikale Projektionen der bewussten Empfindung von Körperstellungen.
- Die Prüfung auf Spontannystagmus, des postrotatorischen Nystagmus und des kalorischen Nystagmus sind wichtige Methoden in der Funktionsdiagnostik des Gleichgewichtsorgans.