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28. Kognitive Prozesse
In Kürze
Kognitive Neurowissenschaften
Die Kognitiven Neurowissenschaften befassen sich mit den neuronalen Grundlagen von
- Sprache,
- Vorstellungen,
- Konzeptbildung,
- Problemlösen und Intelligenz.
Rechte Hemisphäre, linke Hemisphäre
Die rechte Hemisphäre bevorzugt räumlich-ganzheitliche kognitive Prozesse, die linke Hemisphäre sequenziell- zeitliche.
Die linke perisylvische Region ist beim Menschen besonders ausgedehnt, sie assoziiert
- akustisch temporale,
- visuell-räumlich parietale,
- somatisch postzentrale und
- motorisch-artikulatorische
Information und bildet so die Voraussetzung für Sprachentwicklung und Syntax.
Die Funktionen der rechten und linken Hemisphäre und anderer kognitiv-kortikaler Areale sind durch Lernen modifizierbar.
Syntaktische Verarbeitung und Produktion
Syntaktische Verarbeitung und Produktion äußert sich in
- links-perisylvischen hochfrequenten Oszillationen im EEG/MEG sowie in
- ereigniskorrelierten Hirnpotenzialen mit einer Latenz von 200 - 700 ms.
Semantische Verarbeitung
Semantische Verarbeitung findet in beiden Hemisphären in einem ausgedehnten präfrontalen medialparietalen assoziativen Netzwerk statt.
- Agrammatismus und Aphasien sind primär linkshemisphärisch.
- Alexien und Störungen des Sprachverständnisses können beidseitig sein.
- Agraphie (Störungen des Schreibens), Apraxie (Störungen der Planung und koordinierten Ausführung von Willkürbewegungen) sowie Dyslexien (Lese-Rechtschreib-Störung) sind auf lokale Läsionen oder Unteraktivierungen primär der linken parietotemporalen Regionen zurückzuführen.
Neglekt und Extinktion
Neglekt und Extinktion betreffen vor allem Läsionen des rechten parietotemporalen Gebietes, das als assoziatives Koordinationsnetzwerk zwischen allen sensorischen Eingängen dient und Aufmerksamkeit gemeinsam mit präfrontalen Strukturen steuert.
Temporallappen
Der Temporallappen ist ein besonders heterogenes Gebilde zur Koordination
- expliziten Gedächtnisses und Kontexterinnerung,
- hierarchischer Analysen der Bedeutung visueller und auditiver Information,
- der Kategorisierung der Wahrnehmungsinhalte und Begriffsbildung sowie
- sensorisch-musikalischer Funktionen.
Die Präfrontalregion umfasst
- prämotorische Anteile für Planung und Durchführung von Handlungen,
- dorsolaterale Anteile für Funktionen des Arbeitsgedächtnisses,
- medial-ventrale Anteile für konsistente Zukunftserwartungen und Zielhierarchien des Verhaltens,
- orbitale Anteile zur Bewertung von Verstärkern sowie
- alle gemeinsam zur exekutiven Selbstkontrolle und Verstärkeraufschub notwendigen Abschnitte.
Schwere Störungen kognitiver Funktionen sind
- Demenzen, besonders Alzheimer (cholinerge und temporal-limbische Gedächtnisstrukturen),
- Parkinson-Erkrankung (Basalganglien),
- Schizophrenien (Präfrontalkortex und mesolimbisches Dopaminsystem und Temporalregionen mit Hippokampus).