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23. Vererbung
In Kürze
Erbe (Nature) und Umwelt (Nurture)
Was die Interaktion zwischen Erbe (Nature) und Umwelt (Nurture) angeht,
- so ist der Normalfall die Interaktion von Anlage und Umwelt, eine dynamische Interaktion, die bereits unmittelbar nach der Befruchtung einsetzt;
- gibt es einige wenige Sonderfälle der Dominanz angeborener Verhaltensweisen (z. B. Atmen, Schlucken);
- gibt es auch wenige Sonderfälle der Dominanz erlernten Verhaltens (z. B. Kaspar Hauser).
Mendelsche Vererbungsregeln
Mit monohybriden Kreuzungen reinrassiger Gartenerbsen konnte Gregor Mendel seine Vererbungsregeln erarbeiten:
- Jedes Merkmal (Gen) liegt als Paar vor, jeder Paaranteil wird Allel genannt.
- Von jedem Allelpaar wird jeweils ein Anteil auf die Nachkommen übertragen (Spaltungsregel).
- Es gibt dominante und rezessive Allele. Beim gemischten (heterozygoten) Vorkommen setzt sich das dominante durch, das rezessive Gen kann sich nur beim homozygoten Vorkommen durchsetzen.
- Wegen der Dominanz oder Rezessivität der Allele entspricht daher der Phänotyp nicht immer seinem Genotyp.
- Die Allele werden unabhängig voneinander nach den Regeln der Wahrscheinlichkeit vererbt.
Ergänzung der Mendel-Regeln
Die Mendel-Regeln bedürfen der Ergänzung:
- Gene werden nicht immer unabhängig voneinander, sondern viele auch gekoppelt, vererbt.
- Bei unvollständiger Dominanz kommt es zu intermediären Erbgängen (z. B. rosa Blüten statt weißen oder roten).
- Beide Allele eines Paars können unterschiedlich für den Phänotyp, aber gleich dominant sein (Kodominanz). Viele Gene kommen in mehr als 2 Allelen vor (multiple Allele, z. B. beim AB0-Blutgruppensystem).
- Allele können mehr als eine phänotypische Wirkung haben, genannt Pleiotropie (Beispiel Sichelzellanämie).
- Manche Gene können die phänotypische Ausprägung anderer Gene verändern (Epistase).
- Manches phänotypische Merkmal wird als Kontinuum ausgeprägt (z. B. die Körpergröße), was darauf hinweist, dass 2 oder mehr Gene beteiligt sind (polygene Vererbung).
Biopolymere
Drei Biopolymere sind für normales Leben und die Erbsubstanz unentbehrlich:
- Polysaccharide, hauptsächlich zur zellulären Energiespeicherung, aber auch als Bausubstanz.
- Proteine aus Aminosäuren. Als Bausubstanz, zur Signalübertragung (Hormone, Rezeptoren) und als Biokatalysatoren (Enzyme).
- Nukleinsäuren aus Ketten von Nukleotiden. In DNA und RNA ist die Erbsubstanz verschlüsselt.
Erbsubstanz
Die Erbsubstanz ist in den Chromosomen enthalten, die bei der Zellteilung sichtbar werden.
- Die Chromosomen sind aus Komplexen von DNA und Eiweiß, Chromatin genannt, aufgebaut, von denen die DNA die Erbsubstanz enthält.
- Die Doppelhelix ist das Strukturmodell der DNA. Dabei ist die DNA so angeordnet, dass die Struktur eines Stranges die des anderen bestimmt.
- Die RNA ist v. a. an der Eiweißsynthese beteiligt.
Das menschliche Erbgut
- ist in 23 Chromosomenpaaren enthalten, von dem jedes mehrere tausend Gene enthält;
- besteht in jedem Gen aus vielen »Wörtern«, die Triplets oder Kodons genannt werden;
- verdoppelt sich bei der Zellteilung (Replikation) derart, dass jeder Strang der Doppelhelix als Matrize für einen neuen Strang dient;
- verändert sich bei der Replikation durch Mutationen, die zu Polymorphismen führen.
Die Eiweißsynthese
- beginnt mit der Transkription, bei der die DNA im Zellkern durch die ähnlich aufgebaute RNA kopiert wird;
- wird durch den Prozess der Translation in den Ribosomen vollendet.
- Bei der Bildung der Ei- und Samenzellen, der Meiose, kommt es zu einer Halbierung des Chromosomensatzes, wobei sich die ehemals mütterlichen und väterlichen Chromosomen zufällig auf die Gameten verteilen.
- Außerdem kommt es durch Crossing-over zu einer weiteren Vermischung der Gene, die durch die anschließenden Zufälligkeiten der Befruchtung noch verstärkt werden.
Chromosomenstörungen
Chromosomenstörungen entstehen meist durch Genmutationen.
- Sie bewirken meist intellektuelle Störungen und Minderleistungen.
- Sie zeigen, dass psychische Leistungen meist polygen vererbt werden.
Verhaltensgenetik
Die Verhaltensgenetik vergleicht Familien und ein- und zweieiige Zwillinge. Sie erbrachte, dass
- eine starke Erblichkeit für Intelligenz, Persönlichkeit, Interessen und Verhaltensstörungen vorliegt;
- hohe Erblichkeitskoeffizienten oft stark von Umweltbedingungen erzeugt werden;
- meist emergente Eigenschaften vererbt werden, die aber nicht innerhalb von Familien weitergegeben werden.