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Glossar für Entwicklungspsychologie

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A-non-B-Suchfehler
Der A-non-B-Suchfehler kennzeichnet das Phänomen, dass Kinder, die noch nicht über Objektpermanenz verfügen, dazu tendieren, ein Objekt, das vor ihren Augen nacheinander an mehreren Orten versteckt wurde, an dem Ort suchen, wo das Objekt zuerst versteckt wurde.
Adipositas
Adipositas ist durch ein extremes Übergewicht gekennzeichnet und kann mit Binge-Eating-Attacken (Heißhungeranfällen) einhergehen.
Adoptionsstudien

Zur Abschätzung von Anlage- und Umweltanteilen bieten sich im Humanbereich neben der Zwillingsmethode die Adoptionsstudien an. Dabei wird aus den Unterschieden zwischen den biologischen Eltern und den nicht verwandten Adoptiveltern auf das Ausmaß der Erblichkeit eines Merkmals geschlossen.

Adult Attachment Interview
Mit dem Adult Attachment Interview werden die Erinnerungen von Erwachsenen an ihre Kindheitsbindungen erhoben (z. B. Erinnerung an Trennungssituationen, an Zurückweisungen etc.). Als Bindungsmuster werden dabei die autonome bzw. sichere Bindung, die abweisende Bindung, die verstrickte Bindung und die ungelöst-desorganisierte Bindung unterschieden.
Akkommodation
Nach der kognitiven Theorie Piagets bezieht sich Akkommodation auf die Anpassung kognitiver Schemata, falls eine Informationsverarbeitung mit den vorhandenen Schemata nicht erfolgreich ist.
Aktive Anlagewirkungen

Aktive Anlagewirkungen bedeutet, dass ein Individuum aktiv eine Umgebung sucht, die zu seinen genetischen Anlagen passt.

Alkoholembryopathie
Mit Alkoholembryopathie (bzw. fetales Alkoholsyndrom) wird eine vorgeburtliche Schädigung eines Kindes durch mütterlichen Alkoholkonsum während der Schwangerschaft bezeichnet. In Abhängigkeit vom Zeitpunkt und vom Ausmaß der Alkoholexposition kann es zu Organschäden, Intelligenzvermindungen und Verhaltensänderungen (z. B. Aufmerksamkeitsstörungen, Hyperaktivität) kommen.
Allgemeine Entwicklungstests
Allgemeine Entwicklungstests lassen sich nutzen, um den allgemeinen Entwicklungsstand eines Kindes differenzierter zu erfassen, als es mit einem Screeningtest möglich ist.
Anale Phase

Nach der psychoanalytischen Theorie Freuds ist die Anale Phase eine Entwicklungsphase, in der der Lustgewinn durch die Nahrungsausscheidung im Vordergrund steht.

Androtropie
Der Begriff der Androtropie bezieht sich auf das vermehrte Auftreten bestimmter Erkrankungen beim männlichen Geschlecht. Im Deutschen wird in diesem Zusammenhang auch von Knabenwendigkeit gesprochen.
Anforderungs-Bewältigungs-Paradigma
Im Anforderungs-Bewältigungs-Paradigma wird davon ausgegangen, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Laufe ihrer Entwicklung mit vielfachen Anforderungen konfrontiert sind, die sie auf der Basis ihrer jeweiligen personalen und sozialen Ressourcen bewältigen müssen.
Angststörung
Angststörungen unterscheiden sich von normalen und entwicklungstypischen Ängsten durch die Dauer und Intensität der auftretenden Ängste und die Art der Auslösebedingungen. Angststörungen können sich auf bestimmte Objekte und Situationen beziehen oder generalisiert auftreten.
Anorexia nervosa
Anorexia nervosa ist durch starkes Untergewicht und die Angst vor einer Gewichtszunahme gekennzeichnet. Das Essen wird (fast völlig) verweigert und/oder es werden gegensteuernde Maßnahmen unternommen. Beim asketischen Subtyp besteht ein restriktives Essverhalten, gekennzeichnet durch eine (fast) gänzliche Verweigerung der Nahrungsaufnahme. Beim bulimischen Subtyp finden Essattacken statt, die durch gegensteuernde Maßnahmen wie selbstinduziertes Erbrechen, exzessiven Sport oder Missbrauch von Abführ- und Entwässerungsmitteln begleitet werden.
Anthropogenese
Bei der Anthropogenese handelt es sich um die stammesgeschichtliche Entwicklung des Menschen von frühen anthropoiden Vorformen des Menschen bis zu dem Homo sapiens der Gegenwart.
Über-Ich
Das Über-Ich repräsentiert nach der psychoanalytischen Konzeption Freuds die Normen der Umgebung, die einer unmittelbaren Triebbefriedigung, wie sie das Es anstrebt, entgegenstehen.
Überdehnung
Gerade am Anfang der Entwicklung bestehen noch viele sprachliche Lücken, die die Kinder mit verschiedenen Strategien zu überbrücken versuchen. Am weitesten verbreitet ist dabei die sprachliche Überdehnung. Damit ist gemeint, dass die Kinder ein Wort über den sprachlichen Kontext hinaus, in dem sie es ursprünglich gelernt haben, generalisieren.
Apgar-Index
Mit dem Apgar-Index findet unmittelbar nach der Geburt eine Überprüfung der Herzfrequenz, der Atmungsaktivität, der Reflexauslösbarkeit, des Muskeltonus und der Hautfärbung statt.
Arbeitsspeicher
Nach dem Mehrspeichermodell der Informationsverarbeitung erfolgt im Arbeitsspeicher eine Weiterverarbeitung der Information aus dem Ultrakurzzeitgedächtnis und eine Verknüpfung mit Information aus dem Langzeitspeicher. Beim Arbeitsspeicher wird zwischen einem visuell-räumlichen Speicher, der phonologischen Schleife sowie dem episodischen Puffer unterschieden. Zusätzlich wird eine zentrale Exekutive postuliert, die Steuerungs- und Kontrollfunktionen übernimmt.
Asperger-Syndrom
Das Asperger-Syndrom gilt als Form der tiefgreifenden Entwicklungsstörungen mit weniger schwerwiegenden Beeinträchtigungen. Die Betroffenen verfügen in der Regel über durchschnittliche kognitive Fähigkeiten und weisen kaum Auffälligkeiten hinsichtlich der produktiven Sprache auf. Sie wirken jedoch motorisch ungeschickt und verhalten sich in sozialen Situationen vielfach unangemessen.
Assimilation
Der Begriff der Assimilation bezieht sich nach der kognitiven Theorie Piagets auf die Einordnung von Information auf der Basis der vorhandenen Denkschemata.
Assoziationslernen
Beim Assoziationslernen handelt es sich um das Erlernen von Zusammenhängen zwischen Ereignissen. Bereits Säuglinge können Zusammenhänge zwischen Reizen erkennen und daraufhin Erwartungen in Bezug auf weitere Reizdarbietungen entwickeln.
Atmungsmonitor
Bei einem Atmungsmonitor handelt es sich um ein Gerät zur Überwachung der Atmung eines Säuglings, das eingesetzt wird, wenn entsprechende Risiken bei einem Kind bestehen. Tritt eine Atmungsunterbrechung ein, erfolgt ein Signal, damit Maßnahmen zur Beseitigung der Atmungsunterbrechung eingeleitet werden können.
Autonome Moral

Die Autonome Moral ist ein Stadium, in dem Kinder realisieren, dass Regeln nicht absolut gelten, sondern ausgehandelt werden können und veränderbar sind. Weiterhin berücksichtigen sie in ihrem moralischen Urteil die Absicht, mit der eine Handlung ausgeführt wurde.

Autoritärer Erziehungsstil

Ein Autoritärer Erziehungsstil ist durch ein hohes Ausmaß an Lenkung gekennzeichnet, gepaart mit einem niedrigen Ausmaß an Responsivität: Die elterliche Autorität darf nicht hinterfragt, die strengen Regeln müssen eingehalten werden. Geschieht dies nicht, greifen die Eltern zu strafenden Maßnahmen, die mitunter psychische oder physische Gewalt beinhalten.

Autoritativer Erziehungsstil

Ein Autoritativer Erziehungsstil ist charakterisiert durch ein hohes Ausmaß an Lenkung und Responsivität. Die Eltern haben durchaus hohe Erwartungen an das Kind, setzen Regeln und achten auf deren Einhaltung. Allerdings geschieht dies in einem warmherzigen und offen-kommunikativen Kontext.

Das Buch

Der Mensch entwickelt sich vor allem in früher Kindheit und Jugendalter rapide. Doch wann entwickelt sich was - und wie entwickelt es sich genau? Wie misst man Veränderungen oder den Entwicklungsstand? Welche Rolle spielen Erbgut und Umwelt? Dieses Lehrbuch beantwortet alle prüfungsrelevanten Fragen des psychologischen Grundlagenfachs "Entwicklungspsychologie", behandelt die zentralen Bereiche Motorik, Sensorik, Kognition, Intelligenz, Emotion, Sprache, Selbstkonzept, Moral, Eltern-Kind-Beziehung und gibt einen Überblick über entwicklungspsychologische Theorien, Methoden und Diagnostik. Es ist vollständig, sehr lernfreundlich durch zahlreiche Fallbeispiele, Definitionen, Lernziele, Kontrollfragen und vertiefende Literatur und gleichzeitig sehr kompakt: eine ausführliche Randspalte (fast-track) enthält das Wichtigste in Kürze - damit auch unter Zeitdruck alles Wesentliche hängenbleibt.