13. Emotion
Emotionstheorien - Emotion und Körper - Emotion und Ausdruck - Emotion und Erfahrung
In Kürze
Inhalt
- 13.1 Emotionstheorien
- 13.2 Emotion und Körper
- 13.2.1 Emotionen und das autonome Nervensystem
- 13.2.2 Physiologische Ähnlichkeiten zwischen spezifischen Emotionen
- 13.2.3 Physiologische Unterschiede zwischen spezifischen Emotionen
- 13.2.4 Kognition und Emotion
- 13.3 Emotion und Ausdruck
- 13.3.1 Nonverbale Kommunikation
- 13.3.2 Emotionsausdruck im kulturellen Kontext
- 13.3.3 Mimischer Ausdruck
- 13.4 Emotion und Erfahrung
- 13.4.1 Angst
- 13.4.2 Wut
- 13.4.3 Glücklichsein
Zusammenfassung
Emotionstheorien
- Die 3 Komponenten der Emotionen sind:
- die physiologische Erregung,
- das Ausdrucksverhalten und
- die bewusste Erfahrung.
- William James und Carl Lange nahmen an, dass wir Emotionen fühlen, nachdem wir unsere physiologischen Reaktionen wahrgenommen haben.
- Walter Cannon und Philip Bard glaubten, dass wir die Emotionen gleichzeitig mit der Reaktion unseres Körpers empfinden.
- Die Zwei-Faktoren-Theorie der Emotion von Schachter und Singer konzentrierte sich auf das Zusammenspiel von Denken und Fühlen, nicht auf die zeitliche Abstimmung der Gefühle. Sie machten den Vorschlag, dass Emotionen 2 Komponenten haben sollten, die körperliche Erregung und eine kognitive Interpretation.
Emotion und Körper
- Das autonome Nervensystem steuert die Erregung. Ein Teil des autonomen Nervensystems, der Sympathikus, mobilisiert uns für Handlungen, indem er die Nebennierenrinde dazu veranlasst, Stresshormone auszuschütten, die wiederum die Herzfrequenz, den Blutdruck und den Blutzuckerspiegel erhöhen, und indem er bei uns die anderen körperlichen Abwehrreaktionen auslöst. Der andere Teil des autonomen Nervensystems, der Parasympathikus, beruhigt uns, nachdem wir die Krisensituation hinter uns haben, doch die Erregung nimmt nur allmählich ab.
- Die Beziehung zwischen Erregung und Leistung: Sehr starke oder sehr geringe Erregung kann störend sein. Wir zeigen die beste Leistung, wenn die Erregung im mittleren Bereich liegt, obwohl dies auch von der Schwierigkeit der Aufgabe abhängt. Bei einfachen, gut erlernten Aufgaben wird die beste Leistung mit starker Erregung in Zusammenhang gebracht. Bei schwierigen Aufgaben werden die Spitzenleistungen bei einem geringeren Niveau erreicht.
- 3 Emotionen, die mit einer ähnlichen physiologischen Erregung einhergehen: Bei Angst, Wut und sexueller Erregung weisen wir eine ähnliche physiologische Erregung auf. Beobachter haben Schwierigkeiten damit, diese Zustände zu unterscheiden, wenn man nur physiologische Maße erfasst; doch unsere emotionalen Erfahrungen (und manchmal auch unser Gesichtsausdruck) sind bei diesen 3 Zuständen unterschiedlich.
- Physiologische Indikatoren und Indikatoren für Muster der Hirnaktivität bei bestimmten Emotionen: Mit Hilfe komplizierter Geräte haben Forscher Zusammenhänge zwischen einigen Emotionen und leichten Muskelbewegungen in der Braue (bei Angst) und den Wangen (bei Freude) sowie unter den Augen (bei Freude) gefunden. Schichtaufnahmen des Gehirns zeigen bei Angst auch eine erhöhte Aktivität in der Amygdala. Unterschiede tauchen auch in den kortikalen Arealen des Gehirns auf. Negative Emotionen (z. B. Ekel) lösen mehr Aktivität im rechten präfrontalen Kortex aus, während sich positive Stimmungen (z. B. Begeisterung) im linken Frontallappen feststellen lassen, in dem es eine reichhaltige Versorgung mit Dopaminrezeptoren gibt.
- Der Übertragungseffekt tritt auf, wenn unsere Erregung bei einem Ereignis unsere Reaktion bei anderen Ereignissen beeinflusst. Auch wenn eine emotionale Erregung nicht völlig undifferenziert ist, so ist sie manchmal doch so allgemein, dass es erforderlich ist, die Emotion zu definieren, die wir erleben. Die physiologische Erregung treibt die Emotionen an, die Kognition weist ihnen die Richtung.
- 2 alternative Bahnen, auf denen sensorische Reize weitergeleitet werden, wenn sie eine emotionale Reaktion auslösen: Emotionale Reaktionen erfolgen unmittelbar, wenn das sensorische Signal über den Thalamus direkt zur Amygdala geleitet wird; es geht dann nicht über den Kortex und löst eine schnelle Reaktion aus, die uns oft nicht bewusst ist. Reaktionen auf komplexe Emotionen (wie etwa Schuld, Glück oder Liebe) machen eine Interpretation erforderlich und werden über die langsamere Route zum Kortex zur weiteren Auswertung geleitet.
Emotion und Ausdruck
- Die meisten Menschen können nonverbale Hinweisreize erkennen, und wir sind besonders sensibel für nonverbale Bedrohungen. Wie Untersuchungen mit missbrauchten Kindern gezeigt haben, trägt Erleben dazu bei, dass wir für Hinweisreize sensibel sind.
- Geschlechtsunterschiede in Emotionswahrnehmung und Emotionsausdruck: Frauen können i. Allg. die emotionalen Hinweisreize von Menschen besser verstehen als Männer; und dazu gehören auch die Hinweisreize, die bei einer Täuschung auftreten. Frauen geben auch detailreichere Beschreibungen ihrer emotionalen Reaktionen, beschreiben sich selbst bereitwilliger als emotional und bringen häufiger sowohl in Worten als auch im Gesichtsausdruck Empathie zum Ausdruck. Frauen sind Männern darin überlegen, zu zeigen, dass sie glücklich sind; doch Männer können Ärger besser mitteilen.
- Die Gesichtsmuskeln geben Hinweise auf eine Emotion. Aber es gibt noch keine Lügendetektormethode, die sich am Gesichtsausdruck orientiert; und die meisten von uns haben Schwierigkeiten, den Ausdruck von Täuschung zu erkennen. Da es in E-Mails keine stimmlichen oder emotionalen Hinweisreize gibt, sind wir von einer wichtigen Informationsquelle abgeschnitten.
- Die kulturspezifischen und die kulturübergreifenden Aspekte des Emotionsausdrucks: Die Bedeutung von Gesten ist in den Kulturen recht unterschiedlich, doch viele Gesichtsausdrücke, etwa die für Glück und Angst, finden sich überall auf der Welt (sogar bei blind geborenen Kindern). Dies deutet darauf hin, dass die Gesichtsausdrücke kulturübergreifende Aspekte der Emotion sind. Kulturen unterscheiden sich jedoch darin, wie viel emotionaler Audruck bei ihnen für akzeptabel gehalten wird. In vorsprachlichen prähistorischen Zeiten könnte der Ausdruck von Emotionen die Überlebenschancen dadurch verbessert haben, dass er es ermöglichte, über Bedrohungen, Begrüßungen und Unterwerfung zu kommunizieren. Manches emotionale Ausdrucksverhalten trägt dazu bei, mehr sensorische Informationen aufzunehmen und zu verhindern, dass giftige Substanzen aufgenommen werden.
- Mit der Hypothese der Rückkopplung über das Gesicht wird Folgendes nahe gelegt: Das Ausdrucksverhalten lässt unsere Emotionen intensiver werden, indem Muskeln aktiviert werden, die mit bestimmten Zuständen assoziiert werden. Und die Muskeln signalisieren dem Körper, so zu reagieren, als erlebten wir diese Zustände. Wenn wir den Gesichtsausdruck, der normalerweise mit Glück assoziiert wird, simulieren, kann es sein, dass wir uns glücklicher fühlen. Bei der Hypothese zur Rückkopplung über das Verhalten wird Folgendes angenommen: Wenn wir unseren Körper so bewegen, wie wir es tun würden, wenn wir eine bestimmte Emotion erleben (mit gesenkten Augen dahinschlurfen, wenn wir traurig sind), ist es wahrscheinlich, dass wir diese Emotion in gewissem Maße auch empfinden.
Emotion und Erfahrung
- Caroll Izard fand in ihren Forschungsarbeiten 10 Grundemotionen: Freude, Interesse/Begeisterung, Überraschung, Trauer, Wut, Ekel, Verachtung, Angst/Furcht, Scham und Schuld. Einige Psychologen sind der Auffassung, dass Stolz und Liebe ebenfalls Grundemotionen sind. Emotionen können in einem System aus 2 grundlegenden Dimensionen dargestellt werden:
- Erregung (stark versus gering)
- Valenz (angenehm/positiv versus unangenehm/negativ)
- 2 Arten an, wie wir lernen, Angst zu haben: Was wir durch Erfahrung lernen, erklärt die Vielfalt der Ängste der Menschen am besten. Spezifische Ängste lernen wir durch Konditionierung (Assoziieren von Emotionen mit speziellen Situationen) und durch Beobachtungslernen (Zusehen, wie andere Angst als Reaktion auf bestimmte Ereignisse oder äußere Umstände zeigen).
- Biologische Komponenten der Angst: Wir sind biologisch darauf vorbereitet, einige Ängste (gegenüber Schlangen, Spinnen und Höhen) zu lernen und andere nicht (gegenüber schnellem Fahren, Bomben und Elektrizität). Die Amygdala spielt eine Schlüsselrolle beim Lernen von Angst, bei dem Angst mit bestimmten Situationen assoziiert wird. Die Amygdala erhält Informationen aus kortikalen Arealen, die Emotionen verarbeiten, und sendet Informationen zu anderen Arealen, die körperliche Symptome der Angst hervorbringen. Die Menschen unterscheiden sich in dem Maß, wie sie furchtsam oder furchtlos sind; und dieser Unterschied ist z. T. genetisch bedingt.
- Enttäuschende und verletzende Handlungen, die wir als absichtlich, ungerechtfertigt und vermeidbar interpretieren, können Wut hervorrufen. Die Katharsishypothese (die Vorstellung, dass wir aggressive Tendenzen abreagieren können, wenn wir negative Energie abführen) wird nicht durch die Forschung gestützt. Dampf ablassen kann uns zeitweilig beruhigen, aber langfristig verringert es die Wut nicht und kann sie vielleicht sogar stärker werden lassen. Mit Wut geht man besser so um, dass man abwartet, bis das Niveau der körperlichen Erregung heruntergeht, man sich beruhigt und seinen Groll auf eine Weise zum Ausdruck bringt, die eher zu Versöhnung als zu Vergeltung führt. Wenn die Versöhnung scheitert, lassen sich durch Versöhnlichkeit die eigene Wut und die damit verbundenen körperlichen Symptome abbauen.
- Das Phänomen »Du fühlst dich gut und tust Gutes« besteht in unserer größeren Bereitschaft, anderen zu helfen, wenn wir in einer guten Stimmung sind. Die Forschungsrichtung der positiven Psychologie erkundet momentan die Ursachen und Folgen des subjektiven Wohlbefindens (selbst empfundenes Glücksgefühl oder Lebenszufriedenheit); dies ist eine Ergänzung zur traditionellen Konzentration der Psychologie auf negative Emotionen.
- Negative Emotionen sind am intensivsten, kurz nachdem wir aufwachen oder kurz bevor wir einschlafen. Die Stimmung, die durch die positiven oder negativen Ereignisse eines Tages aufgekommen ist, hält selten länger als diesen einen Tag an. Selbst bedeutsame schlechte Ereignisse, wie etwa eine schwere Krankheit, machen nur in seltenen Fällen ein Glücksgefühl für lange Zeit zunichte, obwohl wir gewöhnlich unsere Anpassungsfähigkeit unterschätzen.
- Zusammenhang zwischen Reichtum und Glück: Auf einem elementaren Niveau trägt Geld dazu bei, Kummer zu vermeiden, indem es eine bessere Ernährung, Gesundheitsversorgung, Bildung und ein Studium ermöglicht; doch all dies macht wiederum selbst glücklich. Mehr Wohlstand kann auch kurzfristig glücklicher machen. Langfristig jedoch, so zeigt die Forschung, wird man nicht glücklicher, wenn man individuell und im Vergleich zu anderen Staaten im Reichtum lebt.
- Beim Phänomen des Anpassungsniveaus geht es um unsere Tendenz, Reize (einschließlich materieller Besitztümer) dadurch zu erfassen, dass wir sie in einen Gegensatz zu einem neutralen Niveau stellen, das sich mit unserer Erfahrung wandelt. Das Prinzip der relativen Deprivierung besteht in unserer Wahrnehmung, dass es uns schlechter geht als anderen, mit denen wir uns selbst vergleichen. Glück ist daher etwas Relatives, relativ sowohl zu früheren Erfahrungen als auch im Vergleich mit anderen.
- Methoden, mit denen wir unser eigenes Glücksniveau beeinflussen können: Glücklichsein wird z. T. genetisch vererbt und ist z. T. unter unserer eigenen Kontrolle. Die Empfehlungen zur Verbesserung unseres Glücksniveaus, die auf Forschungsarbeiten beruhen, lauten:
- Machen Sie sich klar, dass anhaltendes Glück nicht von finanziellem Erfolg abhängt.
- Behalten Sie die Entscheidungsfreiheit über Ihre Zeit.
- Handeln Sie, als wären Sie glücklich.
- Suchen Sie sich eine Arbeit und Hobbys, bei denen Sie Ihre Fähigkeiten einsetzen können.
- Treiben Sie regelmäßig Sport.
- Sorgen Sie dafür, dass Sie genug Schlaf bekommen.
- Pflegen Sie enge Beziehungen.
- Blicken Sie über sich hinaus.
- Seien Sie dankbar für das, was Sie haben.
- Pflegen Sie Ihr spirituelles Selbst.