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In Kürze

  • 7.1 Geschlecht und Geschlechtsstereotyp
  • 7.2 Geschlechtsentwicklung
  • 7.3 Die Größe psychologischer Geschlechtsunterschiede
  • 7.4 Geschlechtsunterschiede im Kulturvergleich
  • 7.5 Erklärungsansätze für psychologische Geschlechtsunterschiede
  • 7.6 Koedukation oder Geschlechtertrennung?

 

Die "kleinen" Unterschiede 

Das Thema dieses Kapitels, psychologische Geschlechtsunterschiede, ist immer noch stark emotional und ideologisch besetzt, auch wenn die Töne in der Diskussion gegenüber früheren Jahren moderater und differenzierter geworden sind. Hier geht es um eine nüchterne, wissenschaftliche Betrachtung dieser Geschlechtsunterschiede: Wie groß sind Geschlechtsunterschiede in welchen Persönlichkeitsmerkmalen in welchem Alter in welchen Kulturen, wie entwickeln sich diese Unterschiede und wie ist ihre Entwicklung zu erklären? Im Gegensatz zu den vorangegangenen Kapiteln wird also hier die interkulturelle Perspektive mit einbezogen.

Eine Übersicht über die pränatale Geschlechtsentwicklung zeigt, dass Das genetische Geschlecht ist letztlich durch ein einziges Gen festgelegt das genetische Geschlecht letztlich durch ein einziges Gen festgelegt wird, das hormonelle Geschlecht jedoch bereits durch die pränatale Umwelt beeinflusst wird und keine einfachen Beziehungen zur späteren Ausprägung geschlechtstypischer Merkmale zeigt. Auch die Übernahme des kulturell geprägten Geschlechtsstereotyps kann Geschlechtsunterschiede im Verhalten für viele geschlechtstypische Merkmale nicht gut vorhersagen. Die Entwicklung der Geschlechtsunterschiede folgt vielmehr merkmalsspezifischen Verläufen, bei denen mit wachsendem Alter eine Zunahme, eine Abnahme oder auch eine Zunahme und dann Abnahme beobachtet wird (z.B. Geschlechtertrennung vor/nach der Pubertät). Bei Homosexualität zeigen sich oft erste Anzeichen schon im Kindesalter in Form geschlechtsuntypischer Interessen und Präferenzen; ein nichtgenetischer elterlicher Einfluss hierauf besteht nicht.

Die Größe der Geschlechtsunterschiede in Persönlichkeitseigenschaften wird auf der Grundlage von Metaanalysen der empirischen Befunde zu den einzelnen kognitiven und sozialen Merkmalen in westlichen Kulturen dargestellt; stets sind dabei Unterschiede innerhalb der Geschlechter sind größer als Unterschiede zwischen den Geschlechtern Unterschiede innerhalb der Geschlechter größer als Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Auch weit verbreitete Annahmen wie z.B. bessere mathematische Fähigkeiten beim männlichen Geschlecht erweisen sich als differenzierungsbedürftig; das männliche Geschlecht ist lediglich bei höherer Mathematik und mathematischer Hochbegabung, aber auch bei den mathematischen Versagern überrepräsentiert. Physische Aggression ist bei Männern, Beziehungsaggression dagegen bei Frauen häufiger, und physische Gewalt in Partnerschaften wird von beiden Geschlechtern gleich häufig ausgeübt.

 

Andere Kulturen, andere Geschlechtsrollen? 

Wird der Blick auf nicht-westliche Kulturen erweitert, finden sich viele von allen Kulturen geteilte Geschlechtsstereotypien; Kulturen unterscheiden sich eher darin, wie egalitär die Geschlechtsrollen aufgefasst werden. Insgesamt variiert zwar die Größe der tatsächlich beobachtbaren Geschlechtsunterschiede zwischen Kulturen, wobei es aber nie zu einer Umkehrung der in westlichen Kulturen beobachtbaren Unterschiede kommt.

Traditionelle Erklärungsansätze (z.B. psychoanalytische, durch Lernen, durch Arbeitsteilung) können Geschlechtsunterschiede gar nicht oder nur unzulänglich erklären. Das gilt auch für evolutionspsychologische Ansätze, zumindest in ihrer schlichteren Variante, in der eine genetische Determinierung angenommen wird. Es wird gezeigt, dass sich lerntheoretische, kulturpsychologische und evolutionspsychologische Erklärungsansätze durchaus in einem integrativen Erklärungsmodell für Geschlechtsunterschiede verbinden lassen.

Das Kapitel endet mit einer kurzen Darstellung der Koedukationsdebatte - trägt geschlechtsgetrennter mathematisch-naturwissenschaftlicher Unterricht dazu bei, den Geschlechtsunterschied in höheren mathematischen Fähigkeiten und im Interesse am Studium mathematisch-naturwissenschaftlicher Fächer zu vermindern? Dabei wird deutlich, dass geschlechtsgetrennter Unterricht in der Tat das Interesse an Mathematik und mathematiknahen Fächern wie Physik und Informatik beim weiblichen Geschlecht fördert, nicht jedoch mathematische Fähigkeiten. Damit lässt sich durch geschlechtsgetrennten Unterricht zwar die Frauenquote in mathematiknahen Studienfächern und Berufen erhöhen, bei hohen Anforderungen an die mathematischen Fähigkeiten aber wohl kaum eine gänzliche Nivellierung der Geschlechtsunterschiede erreichen.

 

Material

In Kürze
Zusammenfassung des Kapitels
Glossar
Die wichtigsten Fachbegriffe schlüssig erklärt
Memocards
Lernen Sie mit unseren Memocards die wichtigsten Begriffe der Persönlichkeitspsychologie
Memocards Deutsch/Englisch
Man spricht Englisch - zumindest in der Wissenschaft: Hier können Sie die Übersetzungen der wichtigsten Fachbegriffe lernen.
Verständnisfragen
Haben Sie den Stoff schon drauf? Hier können Sie Ihr Wissen überprüfen.
Links
Was es sonst noch so gibt in der schönen neuen World Wide Welt der Persönlichkeitspsychologie.