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4. Persönlichkeitsbereiche
In Kürze
- 4.1 Klassifikationen der Persönlichkeit
- 4.2 Gestalt
- 4.3 Temperament
- 4.4 Fähigkeiten
- 4.5 Handlungseigenschaften
- 4.6 Bewertungsdispositionen
- 4.7 Selbstbezogene Dispositionen
Hier werden inhaltliche Ergebnisse der empirischen Persönlichkeitspsychologie zu verschiedenen Persönlichkeitsbereichen exemplarisch dargestellt. Ziel ist nicht, eine ausgewogene Übersicht über die inzwischen gewaltige Literatur zu einzelnen Persönlichkeitsbereichen zu geben, sondern an ausgewählten Beispielen typische Konstrukte, Ergebnisse und methodische Probleme darzustellen.
Zunächst werden 3 unterschiedliche Arten der Persönlichkeitsklassifikation skizziert: Persönlichkeitsfaktoren, Persönlichkeitstypen und Persönlichkeitsstörungen Persönlichkeitsfaktoren, Persönlichkeitstypen und Persönlichkeitsstörungen. Die weiteren Abschnitte befassen sich mit Gruppen funktional verwandter Eigenschaften. Dies sind Eigenschaften, die eine ähnliche Funktion im Erleben und Verhalten haben. Zum Beispiel werden in einem Abschnitt Gestalteigenschaften und in einem anderen Abschnitt Temperamentseigenschaften diskutiert. Bisher gibt es in der Persönlichkeitspsychologie kein funktionsorientiertes Gliederungsschema, das sich allgemein durchgesetzt hätte. Um den Einstieg in die weiterführende Literatur zu erleichtern, orientiert sich die hier vorgenommene Gliederung an traditionellen persönlichkeitspsychologischen Forschungsthemen, z.B. Gestalt, Temperament und Fähigkeiten. An einigen Stellen wird funktional Verwandtes, aber traditionell Getrenntes, unter einem gemeinsamen Dach zusammengebracht: Motive, Erwartungs- und Attributionsstile als Handlungsdispositionen, Werthaltungen und Einstellungen als Bewertungsdispositionen und Selbstkonzept, Selbstwertgefühl, Selbstbewusstheit, Selbstüberwachung, Narzissmus und Wohlbefinden als selbstbezogene Dispositionen.
Persönlichkeitsfaktoren
Persönlichkeitsfaktoren sind statistisch mittels Faktorenanalyse gewonnene Variablen, die meist so gewählt werden, dass sie keine Zusammenhänge untereinander zeigen. Damit kann ein breites Spektrum an Eigenschaften durch wenige unabhängige Eigenschaftsdimensionen beschrieben werden. Populär ist das Fünffaktorenmodell mit 5 Faktoren der Persönlichkeit ("Big Five").Populär ist z.B. das Fünffaktorenmodell mit 5 Faktoren der Persönlichkeit ("Big Five"). Persönlichkeitstypen hingegen sind Gruppen von Menschen mit ähnlichem Persönlichkeitsprofil (z.B. in den Big Five). Populär sind z.B. die 3 Typen resilient, überkontrolliert und unterkontrolliert. Persönlichkeitsstörungen bilden in der Klinischen Psychologie eine Gruppe von chronischen Störungen der Persönlichkeit, z.B. die Borderline-Störung. Anwendungen werden am Beispiel von Persönlichkeitsfragebögen in der Personalauswahl illustriert.
Gestalteigenschaften
Zu den Gestalteigenschaften zählen nicht nur Körpergröße und -gewicht, sondern auch psychologisch interessantere körperliche Merkmale wie z.B. Schönheit des Gesichts.
Temperament
Im Abschnitt über Temperament werden verschiedene Theorien vorgestellt, die Annahmen über neurophysiologische Grundlagen von Eigenschaften machen, die sich auf die "drei A" Affekt, Aktivierung und Aufmerksamkeit beziehen. Hierbei zeigt sich, dass die subjektiv wahrgenommene physiologische Reaktivität nur minimale Zusammenhänge mit der objektiv registrierten Reaktivität zeigt. Das macht es z.B. sinnvoll, subjektive und objektive Erkrankungen streng zu trennen.
Fähigkeiten
Fähigkeiten sind Eigenschaften, die nach einem Gütemaßstab bewertet werden können. Hiervon werden Intelligenz, Kreativität, soziale und emotionale Kompetenzen und deren Erfassung durch Leistungstests und Fragebögen behandelt. Ein Anwendungsbeispiel zeigt Möglichkeiten und Grenzen von Assessment Centern zur Erfassung von berufsrelevanten Fähigkeiten.
Bedürfnisse, Motive und Interessen
Handlungseigenschaften beziehen sich auf zielgerichtetes Handeln. Hierzu gehören Bedürfnisse, Motive und Interessen aber auch chronische Erwartungen an das eigene Handeln (z.B. Selbstwirksamkeitserwartungen), Attributionsstile (individualtypische Erklärungen für Handlungsergebnisse und -folgen) und Bewältigungsstile beim Umgang mit Belastungen (z.B. Verdrängung). Beziehungen dieser Eigenschaften untereinander und Verfahren zu ihrer Erfassung durch Fragebögen und projektive Tests werden dargestellt. Anwendungen werden am Beispiel der Führungspersönlichkeit und der Politikvorhersage durch Motivanalysen von Anttrittsreden US-amerikanischer Präsidenten aufgezeigt.
Bewertungs- und selbstbezogene Dispositionen
Bewertungsdispositionen beziehen sich auf Einstellungen (z.B. politische) und Werthaltungen (z.B. konservative). Hierbei wird auch auf verschiedene Ansätze zur Erfassung von impliziten Einstellungen und Vorurteilen (z.B. gegenüber Fremden) eingegangen. Illustriert wird die Bedeutung von Einstellungen am Beispiel der Vorhersage des Rückfallrisikos von Sexualstraftätern.
Zu den selbstbezogened Dispositionen zählt vor allem das Selbstkonzept und seine affektive Komponente, das Selbstwertgefühl, die stark bereichsspezifisch ausgeprägt sind. Das Selbstwertgefühl und das subjektive Wohlbefinden unterliegen einer starken Dynamik, in der motivierte Verzerrungen von Informationen und adaptive Regelungsprozesse eine wichtige Rolle spielen.