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In Kürze

  • 6.1 Stabilität, Kontinuität und Vorhersagekraft
  • 6.2 Einflüsse auf die Persönlichkeitsentwicklung
  • 6.3 Wechselwirkungsprozesse zwischen Persönlichkeit und Umwelt
  • 6.4 Zufall und Notwendigkeit in der Persönlichkeitsentwicklung

 

Entwicklung der Persönlichkeit

In diesem Kapitel wird an das dynamisch-interaktionistische Paradigma angeknüpft, das von langfristigen Eigenschaftsänderungen trotz mittelfristiger Stabilität ausgeht. Ändern sich einzeln Eigenschaftswerte einer Person, ändert sich auch ihre Persönlichkeit Ändern sich einzeln Eigenschaftswerte einer Person, ändert sich auch ihre Persönlichkeit im Sinne der Gesamtheit aller Persönlichkeitseigenschaften: Persönlichkeitsentwicklung hat stattgefunden. In diesem Kapitel wird zunächst die langfristige Stabilität, Kontinuität und Vorhersagekraft der Persönlichkeit diskutiert: Wie stabil sind Eigenschaften und die gesamte Persönlichkeit, sind Eigenschaften zwischen unterschiedlichen Altersgruppen überhaupt vergleichbar, und welche langfristigen Vorhersagen lassen sich aus Persönlichkeitsdiagnosen ableiten, bis hin zur Vorhersage der gesamten Lebensdauer?

Anschließend wird die Frage nach der Erklärung der Persönlichkeit und ihrer Entwicklung gestellt: Wie wirken genetisches Erbe und individuelle Umwelt bei der Entstehung und Veränderung von Persönlichkeitseigenschaften zusammen? Dargestellt werden Zwillings- und Adoptionsmethode und deren Kombination zur Schätzung der genetischen und Umwelteinflüsse. Da die Einflussstärken nur relativ zueinander geschätzt werden können, sind alle Schätzungen vom Alter und der Kultur der jeweils untersuchten Population abhängig. Für die meisten Persönlichkeitseigenschaften ergeben sich annähernd gleich starke genetische und Umwelteinflüsse, so dass Erklärungen der Persönlichkeitsentwicklung weder die Gene noch die Umwelt ignorieren können, wobei der genetische Einfluss auf die Persönlichkeit mit wachsendem Alter eher zunimmt. Die Umwelteinflüsse können dabei in von Geschwistern geteilte und individuelle (von Geschwistern nicht geteilte) Einflüsse aufgeteilt werden; letztere sind fast immer wichtiger. Deshalb werden zunehmend Umwelteigenschaften untersucht, die Geschwister derselben Familie unterschiedlich machen.

Genetische und Umwelteinflüsse werden nicht mehr als unabhängig voneinander betrachtet, sondern Wechselwirkungen zwischen genetischen und Umweltunterschieden Wechselwirkungen zwischen genetischen und Umweltunterschieden ins Visier genommen. Am Beispiel der antisozialen Persönlichkeit wird gezeigt, dass sich genetische und Umweltrisiken gegenseitig potenzieren können, wobei dies neuerdings sogar für einzelne Gene nachweisbar ist. Drei Arten der Kovarianz von Genom und Umwelt legen nahe, dass Personen aufgrund ihrer genetischen Ausstattung aktiven Einfluss auf ihre Umwelt nehmen können, dass andere auf ihre genetische Ausstattung reagieren und dass Korrelationen zwischen Umwelt und Persönlichkeit bei Kindern indirekt über Gene vermittelt sein können, die sie mit ihren Eltern teilen. Diese Überlegungen zeigen, dass Zusammenhänge zwischen Persönlichkeit und Umwelt zumindest zum Teil genetisch vermittelt sein können und stellen damit die weitverbreitete Annahme in Frage, dass Korrelationen zwischen Umwelt und Persönlichkeit ohne weiteres Aufschluss über Umwelteffekte auf die Persönlichkeit geben.

 

Beispiele 

Die allgemeinen Überlegungen zum Zusammenhang zwischen Genom, Umwelt und Persönlichkeit werden abschließend anhand von drei Beispielen konkretisiert. Bei der Entwicklung intellektueller Fähigkeiten erweist sich das erworbene Wissen als Schlüsselvariable, die einerseits durch Intelligenz, andererseits aber auch durch Lernumwelt und Interessen gefördert wird. Bei der Entwicklung antisozialen Verhaltens und bei der Entwicklung von Schüchternheit und sozialer Gehemmtheit wirken früh erworbene Temperamentsmerkmale, elterliche Behandlung in der Kindheit und ab der mittleren Kindheit vor allem die Beziehungen mit Gleichaltrigen auf die weitere Entwicklung. Es ergeben sich komplexe Entwicklungsmodelle, die von monokausalen Erklärungen der Art "strenger Vater - schüchternes Mädchen" meilenweit entfernt sind. Die Anwendung solchen Wissens um die Komplexität der Persönlichkeitsentwicklung wird am Beispiel des Umgangs mit schüchternen Kindern illustriert.

Abschließend wird die Frage diskutiert, ob sich die Persönlichkeit notwendig aus ihren Entwicklungsbedingungen ergibt oder ob nicht doch Zufälle, etwa in Form der Verkettung vieler spezifischer Umstände, eine große Rolle spielen. Eine Hinterfragung der Rolle des Zufalls ergibt, dass die Persönlichkeit durchaus Einfluss auf scheinbar zufällige kritische Lebensereignisse und vor allem deren Verarbeitung hat und so den Zufall teilweise abpuffert. Letzendlich ergibt sich das Bild von einem langandauernden Prozess, in dem an wenigen Punkten die Zukunft auf der Kippe steht, meist jedoch gut durch die jeweils vorhandene Persönlichkeit vorhersagbar ist.

 

Material

In Kürze
Zusammenfassung des Kapitels
Glossar
Die wichtigsten Fachbegriffe schlüssig erklärt
Memocards
Lernen Sie mit unseren Memocards die wichtigsten Begriffe der Persönlichkeitspsychologie
Memocards Deutsch/Englisch
Man spricht Englisch - zumindest in der Wissenschaft: Hier können Sie die Übersetzungen der wichtigsten Fachbegriffe lernen.
Verständnisfragen
Haben Sie den Stoff schon drauf? Hier können Sie Ihr Wissen überprüfen.
Links
Was es sonst noch so gibt in der schönen neuen World Wide Welt der Persönlichkeitspsychologie.