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15. Angewandte Sozialpsychologie: Werbung, Arbeitsplatz, Gesundheit
Angewandte Sozialpsychologie: Sozialpsychologie und Werbung - Sozialpsychologie am Arbeitsplatz - Sozialpsychologie und Gesundheit
In Kürze
- 15.1 Einleitung
- 15.2 Angewandte Sozialpsychologie
- 15.3 Sozialpsychologie und Werbung
- 15.4 Sozialpsychologie am Arbeitsplatz
- 15.5 Sozialpsychologie und Gesundheit
- Sozialpsychologische Theorien, Grundlagenforschung und angewandte Forschung stehen in einer wechselseitigen Beziehung. Theorien helfen uns, praktische Probleme und Phänomene zu verstehen und richtig anzugehen, während die Bestätigung der zentralen Vorhersagen einer Theorie in der Praxis unser Vertrauen in die Theorie vergrößert und ihre Verallgemeinerbarkeit erhöht.
- In diesem Kapitel haben wir die Sozialpsychologie auf drei zentrale Gebiete angewandt: auf die Werbung, den Arbeitsplatz und die Gesundheit.
Werbung
- Der Zwei-Prozess-Ansatz (insbesondere die Modelle ELM und HSM) ist sehr gut geeignet, um verschiedene Effekte der Werbung zu erklären. Er eignet sich auch, um einige ältere Modelle, die spezifisch für den Bereich Werbung entwickelt wurden, zu integrieren.
- Weil die Empfänger von Werbung typischerweise keine Zeit bzw. keine Motivation zur Elaboration der Werbung haben, lassen sie sich häufig nur durch Strategien mit geringer Elaborationstiefe beeinflussen. Unter anderem beinhalten solche Strategien das klassische Konditionieren, die bloße Darbietung und die Kategorisierung eines neuen Produkts als Exemplar einer bereits etablierten Marke (Markenerweiterung).
- Ein spezifisches Merkmal, das Werbung von anderen Typen der Persuasion unterscheidet, ist der Einfluss der Einstellung zur Werbung. Weil diese spezifische Einstellung sowohl direkte als auch indirekte Effekte auf die Einstellung zur Marke und die Kaufabsicht ausübt, ist sie ein bevorzugtes Ziel von Werbetreibenden. Wir haben betont, dass Einstellungen gegenüber der Arbeit in der Lage sind, die Ergebnisse in Unternehmen vorherzusagen. Sowohl das globalste Einstellungsmaß, Arbeitszufriedenheit, als auch eines der spezifischeren Maße, affektives Commitment, beeinflussen die Arbeitsleistung der Mitarbeiter und entscheiden mit darüber, ob Mitarbeiter darüber nachdenken, das Unternehmen zu verlassen.
Arbeits- und Organisationspsychologie
- Als einen zentralen Einfluss auf die Einstellungen gegenüber der Arbeit haben wir die Gestaltung der Arbeit selbst identifiziert. Das Modell der Arbeitsmerkmale sagt vorher, dass Arbeitszufriedenheit stärker ausfällt, wenn ein Arbeitsplatz vom Mitarbeiter eine Vielzahl von Fertigkeiten verlangt und wenn die Tätigkeiten sowohl von Bedeutung als auch umfassend sind. Notwendige Bedingung für einen motivierenden Arbeitsplatz ist, dass der Inhaber einen gewissen Grad an Autonomie darüber hat, wie er Tätigkeiten angeht und ausführt, und dass er Feedback zur Aufgabenerfüllung erhält.
- Eine ebenfalls wichtige Determinante der Einstellungen gegenüber der Arbeit ist die Beziehung zwischen Mitarbeiter und Unternehmen. Wenn Mitarbeiter sich vom Unternehmen fair behandelt fühlen und wahrnehmen, dass das Unternehmen ihre Bemühungen unterstützt, sind sie zufriedener mit ihrer Arbeit, fühlen sich stärker mit dem Unternehmen verbunden und strengen sich mehr an, um ihre Aufgaben zu erfüllen.
- Wahrnehmungen von Mitarbeitern darüber, wie gerecht die Prozesse der Ressourcenverteilung in ihrem Unternehmen ablaufen, haben einen großen Einfluss auf Einstellungen und Verhalten am Arbeitsplatz. Der instrumentelle Ansatz, der relationale Ansatz sowie der Ersetzbarkeitsansatz erklären, warum dies der Fall ist. Verletzbarkeit und Selbstwirksamkeitserwartung sind wichtige Determinanten des Gesundheitsverhaltens. Diese Variablen werden auch innerhalb eines der wichtigsten sozial-kognitiven Modelle zum Gesundheitsverhalten, der Schutzmotivationstheorie, als zentral behandelt. Weitere Prädiktoren der Theorie sind Schweregrad der Bedrohung, intrinsische und extrinsische Belohnungen, die Wirksamkeit der Empfehlungsumsetzung sowie die Kosten der Empfehlungsumsetzung.
- Veränderungen in der Anreizstruktur beinhalten erhöhte Kosten bei gesundheitsschädlichen Verhaltensweisen (z.B. Steuern auf Zigaretten) und gesenkte Kosten bei gesundheitsförderlichem Verhalten (z.B. Gesetzgebung zur Gurtpflicht). Solche Versuche, Gesundheitsverhalten zu beeinflussen, sind häufig effektiver als persuasive Appelle, bergen aber das Risiko in sich, dass die Empfänger ihr verändertes Verhalten nicht verinnerlichen.
Gesundheit
- Stress hat negative Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden. Sein Einfluss wird durch Coping moderiert sowie durch mehrere intrapersonale und extrapersonale Ressourcen (z.B. dispositionaler Optimismus und soziale Unterstützung).
- Für die berufstätige Bevölkerung wird das Stressniveau zu einem nicht unerheblichen Teil durch die Qualität der Führung bestimmt, der sie ausgesetzt ist. Schlechtes Führungsverhalten ist eine »Grundursache« von Stress und kann vielfältige weitere Stressoren erzeugen, wie etwa Arbeitsüberlastung, schlechte Zielsetzung und mangelnde Intervention bei Konflikten zwischen Mitarbeitern.